
Immer wieder wird in einschlägigen Publikationen betont, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben und dass Bildung die bedeutendste Zukunftsinvestition ist. Gegenwärtig gewinnt in der bildungspolitischen Diskussion die Frage nach frühkindlicher Bildung und Bildungschancen zunehmend an Bedeutung[1].
Je früher Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft an Bildung teilhaben können, desto mehr Chancengerechtigkeit wird es in unserem Land geben. Wenn Kinder eine Entwicklungschance und damit in unserer Wissensgesellschaft eine Überlebenschance haben sollen, dann ist eine signifikante Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Deutschland unumgänglich. Deshalb eröffnet frühkindliche Bildung Möglichkeiten, deren Fundament in den ersten Lebensjahren gelegt wird.
Europaweit nimmt parallel dazu seit einigen Jahren das Interesse am Fremdsprachenunterricht für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter enorm zu und umfangreiche Investitionen werden in die Wege geleitet. So gibt es beispielsweise in einigen EU-Ländern Englisch für Kinder bereits ab der 1. Klasse, im Nachbarland Österreich ist das Fremdsprachenlernen sogar institutionell verankert und beginnt im Kindergarten.
Warum, so stellen sich viele die Frage, soll Fremdsprachenunterricht in so frühen Jahren stattfinden? Macht es überhaupt Sinn, Kinder, neben dem Erlernen der Muttersprache, noch eine zweite oder – wie es die EU-Kommission fordert – gar eine dritte Sprache quasi pflichtmäßig erlernen zu lassen? Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben im März 2002 gefordert, dass bereits von Kindheit an mindestens eine zusätzliche Fremdsprache zur Muttersprache unterrichtet werden sollen.